Mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion unter dem Titel „Nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden“ – Wie gehen wir als Gesellschaft und als Einzelne mit der steigenden Gefahr eines Krieges um?“ begann die 70. Jahrestagung des Instituts für Interdisziplinäre Forschung der Görres-Gesellschaft am Mittwoch, dem 16. September 2026, in Berlin. Mehr als 70 Personen verfolgten und beteiligten sich an der Diskussion, zu der der evangelische Militärbischof Dr. Bernhard Felmberg, General a.D. Dr. Klaus Wittmann und Dr. Margarete Klein (Stiftung Wissenschaft und Politik) in die Katholische Akademie Berlin, die auch Kooperationspartner der Veranstaltung war, kamen. Unter der Leitung der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Andrea Edenharter diskutierten sie die höchst aktuellen Entwicklungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. General a.D. Dr. Wittmann betonte, dass “die Ukraine den Krieg kämpft, den wir derzeit nicht führen müssen und uns damit Zeit kauft.” Angesprochen auf pazifistische Haltungen betonte Militärbischof Dr. Felmberg, dass “Pazifismus für den Einzelnen akzeptabel sei, aber keine Maxime für staatliches Handeln bilden könne.” Die Politikwissenschaftlerin Dr. Klein führte im Hinblick auf die Auswirkungen des Krieges auf die russische Gesellschaft aus, dass die “Gewaltaffinität zunehmen werde”. Putin habe nicht Angst vor der NATO, sondern vor der Infizierung seines Volkes mit dem “demokratischen Virus”. An diesem Abend machte sich eine nachdenkliche Grundstimmung breit, da die Ukraine in den vergangenen Monaten zunehmend in die Defensive geraten sei. Im Hinblick auf die Stimmung in Deutschland sagte General a.D. Dr. Wittmann, es mache sich eine “erschütternde Empathielosigkeit gegenüber dem ukrainischen Volk breit bei gleichzeitiger Blindheit gegenüber Putin.” Es gehe nicht darum, einen Krieg vorzubereiten, sondern diesen zu verhindern.
Den Auftakt für die öffentliche Veranstaltung bildete die Verleihung der Preise „Naturwissenschaft und Theologie“ an die Erstplatzierte, die Theologin Dr. Eva Maria Hille und die Zweitplatzierte, die Theologin Dr. Alexandra Kaiser-Duliba. Frau Dr. Hille promovierte mit der Arbeit “Unbiased AI? Ein vulnerabilitätssensibler, machtkritischer und gerechtigkeitsorientierter Ansatz für den Gesundheitsbereich” an der Universität Bonn. Die Theologin Dr. Alexandra Kaiser-Duliba verfasste ihre Promotionsarbeit zum Thema “Personalisiert. Entpersonalisiert. Ethische Beurteilung des Einsatzes von Robotik und Künstlicher Intelligenz in der Pflege anhand des Personkonzepts von Paul Ricœur" an der Katholischen Universität Eichstätt und arbeitet derzeit an der Universität Luzern. Das Votum der Jury sowie weitere Informationen zum Preis entnehmen Sie unserer Meldung vom 24. Juli 2026 (hier).
Der Preis war zum 1. Februar dieses Jahres zusammen mit der Evangelischen Stiftung Apfelbaum, Köln, ausgeschrieben worden. Die erneute Ausschreibung ist für Februar 2027 vorgesehen.
Die öffentliche Veranstaltung war eingebettet in die 70. Jahrestagung des Instituts für Interdisziplinäre Forschung (Interdisziplinäres Institut) der Görres-Gesellschaft), die vom 16. bis zum 18. September 2026 in Berlin in den Räumlichkeiten der Katholischen Akademie stattfand. Thema der Tagung war “Der Mensch im Krieg”. Das Expose zur Tagung finden Sie hier. Den Ablaufplan mit den Referentinnen und Referenten sowie Ihren Vorträgen finden Sie hier.
Vorträge wurden zu folgenden Themen gehalten:
„Naturwissenschaftler und der Krieg“ – Fallbeispiele und biografische Skizzen
- Mathematiker und der Krieg (Prof. Dr. Gregor Nickel, Universität Siegen)
- Spaltungen und Reflexionen: Kernphysiker und die Bombe (Prof. Dr. Manfred Stöckler, Universität Bremen)
- Chemiker und der Krieg – Zwischen Nobelpreis und Kriegsverbrechen (Prof. Dr. Nikolaus Korber, Universität Regensburg)
- Biologen und biologische Kriegsführung (Prof. Dr. Stephan Clemens, Universität Bayreuth)
Einzelvorträge:
- Das Völkerstrafrecht und die Verantwortung des Einzelnen (Philipp Graebke, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
- Was macht der Krieg mit den Menschen? Veteranen in Russland, ein aktuelles Fallbeispiel (Dr. Margarete Klein, Stiftung Wissenschaft und Politik)
- Der Einsatz von Drohnen aus ethischer Sicht (Prof. Dr. Bernhard Koch, Institut für Theologie und Frieden)
- Ethische Implikationen von Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung (Prof. Dr. Bernhard Koch, Institut für Theologie und Frieden)
- "Soll denn das Schwert andauernd weiterfressen?" (Samuel 2, 26). Theologische Überlegungen zum jesuanischen Weg der Befreiung und Heilung von Krieg und Gewalt (Prof. Dr. Josef Freise)

