Die Gesellschaft

Nachrichten der Görres-Gesellschaft

20.05.26

Internationales Atomabkommen mit dem Iran: „Innenansichten eines Diplomaten“

Dr. Hans-Dieter Lucas

Prof. Dr. Ulrich Schlie

„Eine Sternstunde der Diplomatie oder das schlechteste Abkommen, das je geschlossen wurde?“, wie Donald Trump behauptete? Zu einer „Stunde Zeitgeschichte“ luden am Mittwoch, dem 20. Mai 2026, anlässlich des Dies Academicus der Bonner Universität das CASSIS-Institut mit seinem Direktor Prof. Dr. Ulrich Schlie und die Görres-Gesellschaft zu einem Vortrags- und Diskussionsabend ein. Weit mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter sehr viele Junge, waren der Einladungen in den Festsaal der Bonner Universität gefolgt. 

Unter dem Titel "Was kann Diplomatie mit dem Iran bewirken? Von den Verhandlungen über das Nuklearabkommen mit dem Iran zu den amerikanisch-israelischen Kriegen gegen den Iran 2025/2026" referierte Botschafter a. D. Hans-Dieter Lucas (ehemaliger Politischer Direktor im Auswärtigen Amt und CASSIS Senior Fellow) über das Zustandekommen des Internationalen Atomabkommens mit dem Iran (JCPOA) im Jahr 2015. Er stellte den Prozess dar, der zu dem Abkommen führte, einschließlich der außerordentlich komplizierten und herausfordernden Verhandlungen im E 3+3-Format (mit dem Iran, den USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland). Zum erfolgreichen Verhandlungsergebnis trugen die festen, abgestimmten Positionen der Verhandlungspartner ebenso wie menschliche Faktoren bei, die Vertrauen unter den handelnden Personen schufen. 

Eine Zäsur trat im Jahr 2018 mit dem Austritt der USA aus dem Abkommen ein, was Lucas als „eine verspielte Chance“ bezeichnete. In der Folge sei es zu einer vermehrten Anreicherung von Uran und weiteren Schritten hin zur Atombombe gekommen, was letztlich zum 12-Tage-Krieg 2025 und dem jetzigen Krieg zwischen den USA und dem Iran führte. 

In der anschließenden Diskussionsrunde beurteilte Botschafter a.D. Lucas die Aussichten auf weitere Verhandlungen und diplomatische Einigungen eher pessimistisch. Gleichwohl zeigte er sich nach wie vor überzeugt vom Primat der Diplomatie in Konflikten: „Der letzte Monat hat deutlich gezeigt, welche Folgen der Verzicht auf Diplomatie hat!“ gab er den begeisterten und gleichzeitig nachdenklichen Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg.  

Herzlich dankt die Görres-Gesellschaft dem CASSIS-Institut für die Einladung, diese Veranstaltung gemeinsam durchzuführen. Der nächste Termin für eine Kooperationsveranstaltung von CASSIS und Görres-Gesellschaft steht schon fest: Am Dienstag, dem 16. Juni 2026 spricht Dr. Matthias Kopp, Pressesprcher der Deutschen Bischofskonferenz, im CASSIS-Institut, Genscherallee 3, Bonn, zum, Thema: „Iraks christliches Erbe. Vom Überleben im Zweistromland“. Weitere Infos erhalten Sie hier

Zum Hintergrund: 

Die Beziehungen zwischen dem Iran, den USA und Israel stehen exemplarisch für die Spannungsfelder moderner Diplomatie zwischen Verhandlung, Abschreckung und militärischer Eskalation. Während das Nuklearabkommen lange als zentraler Ansatz galt, um das iranische Atomprogramm einzudämmen, zeigen die Entwicklungen der Jahre 2025/2026 die Fragilität diplomatischer Prozesse: Gescheiterte Verhandlungen mündeten in direkte militärische Konfrontationen zwischen den beteiligten Akteuren.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die grundlegende Frage, welche Handlungsspielräume Diplomatie unter Bedingungen zunehmender Gewalt noch besitzt. Kann sie Konflikte nachhaltig deeskalieren – oder wird sie zunehmend von strategischen und militärischen Logiken überlagert? Der Vortrag von Botschafter a.D. Lucas, der von 2011-2015 deutscher Verhandlungsführer in den Verhandlungen über das Nuklearabkommen war, beleuchtet diese Dynamiken und diskutiert, welche Rolle Diplomatie im Kontext des Iran-Konflikts heute noch spielen kann. 

 

 

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