Unter dem Rahmenthema “Auf den Spuren von Joseph Görres: Wissenschaft - Öffentlichkeit – Kirche“ startete am Samstag, dem 7. März 2026, die fünfte Studienreise des Jungen Forums der Görres-Gesellschaft. Am Sonntag begann das Programm (Plan hier) der aus insgesamt rund 25 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestehenden Gruppe mit dem Besuch des Gottesdienstes der Münchener Frauenkirche am Morgen. Danach begann das Besuchsprogramm, das als erstes ins NS-Dokumentationszentrum München – Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus – führte. Am Standort des ehemaligen Braunen Hauses, der NSDAP-Parteizentrale, stellte Michael Hetz, in München ansässiges Mitglied des Jungen Forums und einer der Guides im Zentrum, der Gruppe die Geschichte des Nationalsozialismus in München dar. Danach führte der Weg ins Zentrum München, wo die „Marianischen Männerkongregation „Mariä Verkündigung“ am Bürgersaal zu München“ ein Zentrum unterhält. Die katholische Laienorganisation ist eine spirituelle Gemeinschaft, die sich das caritative Engagement von Pater Rupert Mayer SJ, der hier seine letzte Ruhestätte fand, zum Vorbild nimmt.
Die Studienreise wurde am Montag, dem 9. März 2026, mit einem Besuch des Katholischen Büros München fortgesetzt. Dessen Leiter, Herr Dr. Matthias Belafi, stellte der Gruppe seine komplexen Aufgaben im Zusammenspiel von Bayerischen Bistümern, katholischen Organisationen und bayerischer Politik vor. Im Anschluss fand ein rund einstündiges Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx in der Bibliothek des Erzbischöflichen Palais statt. Theologische Themen wechselten sich dabei mit gesellschaftlich-politischen ab. So wurde über die Synodalität der Kirche insgesamt, wie auch den Synodale Weg in Deutschland im Speziellen, sehr lebhaft diskutiert. Dem Ausruf Kardinal Marx‘, der im Hinblick auf die Zukunft der Kirche das optimistische Wort „We are back“ prägte, folgte der nachdenkliche Appell an die Mitglieder des Jungen Forums: „Auf sie kommen immense Herausforderungen zu, die Demokratie, unsere Gesellschaftsordnung und die Freiheit zu verteidigen! Nehmen Sie diese Herausforderungen auch im Sinne Joseph Görres‘ an“, so der Kardinal. Mit diesen einprägsamen Sätzen endete das Gespräch, das einen der ersten Höhepunkte dieser Studienreise setzte. Beendet wurde dieser Studientag mit einem Besuch der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft. Deren Pressesprecherin, Frau Dr. Christina Beck, stellte Geschichte, Struktur und Persönlichkeiten der MPG dar. Beeindruckend war zu erfahren, dass die MPG in der obersten Liga der wissenschaftlichen Einrichtungen spielt und zusammen mit der Harvard-University auf 31 Nobelpreisträgerinnen und -träger blickt. Im anschließenden Rundgang präsentierte Frau Beck faszinierende Bilder aus der Wissenschaft, so zum Beispiel ein präkolumbisches Federmosaik, das zu einer Federikone verarbeitet wurde: in einer Himmelsdarstellung des Evangelisten Johannes.
Der darauffolgende Dienstag, 10. März, führte die Gruppe zunächst an die LMU München, wo Juan Montejo außerordentlich fachkundig die Geschichte der Universitätsgebäude erläuterte und insbesondere die Weiße Rose erwähnte, deren Mitglieder im Lichthof verhaftet wurden, nachdem sie Flugblätter von der Empore herab geworfen hatten. Im Anschluss ging es zur Bayerischen Staatsbibliothek, wo Dr. Martin Barth für die erkrankte Görres-Biographin Dr. Monika Fink-Lang ein Porträt Joseph Görres‘ in seinen letzten Münchener Jahren verlas. Sie können den Text hier nachlesen. Im Anschluss zeigten Dr. Maximilian Schreiber und Annemarie Kaindl von der Staatsbibliothek einige „Schätze“, so einen Originalbrief Görres‘ aus dem Jahr 1839 und eine Mitschrift seiner Vorlesungen. Auch der Nachmittag galt dem Namenspatron unserer Gesellschaft, der Weg führte zum Südfriedhof, wo sich die Familiengrabstätte befindet. Hier legten die Teilnehmer eine Blumenschale ab, beteten ein „Vaterunser“ und sangen einige Strophen des Liedes „Großer Gott wir loben Dich“, um ihr fortwährendes Gedenke und ihre Dankbarkeit auszudrücken. Seinen Abschluss fand der Tag im Institut für publizistische Ausbildung, kurz ifp, der katholischen Journalistenschule. Deren Leiterin, Frau Isolde Fugunt, hatte die Gruppe zu einem „Get-Together“ mit Stipendiatinnen und Stipendiaten eingeladen. Integriert in den Abend war ein Hintergrundgespräch mit Sabine Winter, Redaktionsleiterin BR, Religion & Orientierung, wo es unter andere, um die Frage ging, wie religiöse Inhalte in Sendungen des Öffentlichen Rundfunks integriert attraktiv integriert werden können.
Am abschließenden Mittwoch, dem 11. März, stand zunächst die Politik im Zentrum des Interesses. Die Gruppe war von Frau Tanja Schorer-Dremel, MdL, stellvertretende Generalsekretärin der CSU und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, zu einem rund einstündigen Gespräch in den Bayerischen Landtag eingeladen worden. In diesem Gespräch wurden eine Reihe landes- und bundespolitischer Themen adressiert, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen guten Eindruck von den Herausforderungen gab, vor denen Bayern und Deutschland stehen, aber auch davon, wie der Freistaat Bayern diese angeht und meistert. Im Anschluss an das Gespräch wohnte die Gruppe einer Sitzung des Bayerischen Landtages bei und wurde so Zeuge von der Lebendigkeit des Parlamentarismus. Am Nachmittag folgte mit dem Besuch der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ein sehr intensiver und berührender Programmpunkt. Frau Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der IKG, gab einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Gemeinde, den Bau des Zentrums sowie dessen reichem kulturellen und religiösen Leben. Besonders berührend war für die Teilnehmer der „Gang der Erinnerung“, an dessen Wänden die Namen durch den Nationalsozialismus ermordeten Münchener Jüdinnen und Juden zu lesen sind. Seinen Abschluss fand dieser Tag und die Studienreise insgesamt mit dem Vortrag der beiden Studenten Dennis Ossipov und Sebastian Fritsch im Schloss Suresnes am Abend. Die Veranstaltung fand auf Einladung der Katholischen Akademie in Bayern statt und wurde von Frau Dr. Astrid Schilling betreut. Ossipov, ein jüdischer Student, und Fritsch, ein evangelischer Student, waren gemeinsam von April bis August 2024 zu Fuß von München nach Jerusalem gepilgert, 4.000 Kilometer weit. Über ihre Erlebnisse von Gastfreundschaft, interkulturellen Begegnungen, bis hin zu spirituellen Erfahrungen berichteten sie höchst authentisch und eindrucksvoll. Herzlich sei der Katholischen Akademie und Astrid Schilling für eine wieder einmal wundervolle Zusammenarbeit und die Einladung für diesen Abend gedankt! Was für ein großartiger Abschluss einer wundervollen Studienreise!
Ein großer Dank gilt allen, die sich Zeit für diese außerordentlich Gespräche nahmen und diese mit organisierten. Mit dem reichhaltigen Programm dieser Tage wurde eingelöst, was Studienreisen der Görres-Gesellschaft versprechen: Türen öffnen, die ansonsten verschlossen sind, Begegnungen schaffen und unser Netzwerk ausbauen. Nicht zuletzt jedoch waren die Tage geprägt von einer freundschaftlichen Atmosphäre, bei der auch das Gesellige nicht zu kurz kam.

